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Rezension: „Mein geheimes Tagebuch“ von Klaartje de Zwarte-Walvisch

In letzter Zeit habe ich leider wenig Zeit zum Lesen, durch Zufall bin ich auf eine Vorstellung von „Mein geheimes Tagebuch“ von Klaartje de Zarte-Walvisch gestoßen. Die paar Textauszüge, die ich gelesen habe fand ich sehr interessant und schwupps landete das Buch in meinem Einkaufskorb. Das Tagebuch setzt quasi da an, wo Anne Frank aufgehört hat zu schreiben: Mit Klaartjes Inhaftierung in ein Konzentrationslager. Sie beschreibt sehr lebhaft ihren Alltag und berichtet auch von dem Verhalten ihrer Mithäftlinge und ihren Peinigern. 

Klappentext von C.H. Beck:

Am 22. März 1943 dringen „Judenjäger“ in das Amsterdamer Haus von Klaartje de Zwarte-Walvisch ein. Während sie auf ihren Mann warten, vertreibt sich einer von ihnen mit Klavierspiel die Zeit. Die Hölle beginnt langsam. Die Registrierung erweist sich als Internierung, und der neue Wohnort ist in Wirklichkeit ein Konzentrationslager.
Das erst vor wenigen Jahren entdeckte Tagebuch der jungen Jüdin Klaartje de Zwarte-Walvisch ist in mehrfacher Hinsicht ein Wunder: Sie kann fast täglich protokollieren, was sie erlebt, ohne entdeckt zu werden. Kurz bevor sie den Zug in ein Vernichtungslager besteigt, übergibt sie das Tagebuch heimlich einem Verwandten, dem gegen alle Wahrscheinlichkeit die Flucht gelingt. Mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende werden die Hefte in seinem Nachlass entdeckt. Ein Wunder sind die Aufzeichnungen aber vor allem, weil es kein zweites Zeugnis gibt, das so furchtlos und unbefangen, so wütend und fassungslos und zugleich mit so viel Witz und Ironie schildert, welches Schicksal die niederländischen Juden zu erleiden hatten.

Meine Meinung

Als ehemalige Geschichtsstudentin hat mich das Buch direkt interessiert. Die Leseprobe hat mich gepackt und ich wollte einfach mehr Lesen, mehr von dem Leben von Klaartje de Zwarte-Walvisch wissen. Die Nazis haben damals viel Unheil angerichtet und unschuldigen Leuten viel Leid angetan, nur weil sie der falschen Religion angehörten. Tagebücher wie das von Klaartje oder Anne Frank rufen einen in Gedächtnis wie sehr die Leute gelitten haben. In einer Zeit, in der die Rechten wieder auf dem Vormarsch sind, sind solche Bücher einfach kostbar.

Mich hat das Buch wirklich mitgenommen, wenn man das Tagebuch liest denkt man, man kennt Klaartje persönlich. Sie schreibt ihre Gefühle nieder und man ihre Wut und Verzweiflung nachvollziehen. Trotzdem möchte sie tapfer bleiben und sich nicht anmerken lassen, dass die Nazis und das Leben im Lager Vught bei Den Bosch sie fertig machen. Sie schreibt recht locker und drückt sich direkt aus. Man kann das Tagebuch in einem durchlesen. Ist sie Anfangs noch recht hoffnungsvoll, dass alles schnell vorbei geht, wird sie immer verzweifelter. Als ihr einziger Halt, ihr Mann, nach Moerdijk transportiert wird, schlägt auch die Haltung von Klaartje um. Ihr Tagebuch berichtet über die Zeit zwischen März und Juli 1943, beim Lesen habe ich das Gefühl gehabt, dass es über ein Jahr berichtet, denn ich kann mir schlecht vorstellen, dass  so viel schreckliches einem Menschen in so kurzer Zeit passieren kann. Die Einträge berichten über bereits Vergangenes, Klaartje berichtet nicht täglich sondern eher in Rückblicken und gibt teilweise auch einen Ausblick, auf das, was noch passieren wird. Der letzter Eintrag wurde am 4. Juli 1943 im KZ Westerbork geschrieben, von dort wurde sie weiter nach Sobibor transportiert, wo sie nach ihrer Ankunft am 16. Juli 1943 direkt in einer Gaskammer ermordet wurde.

Klaartje ging mit dem Schreiben dieses Tagebuches ein Risiko ein, deswegen findet man in dem ganzen Buch kaum Anhaltspunkte: Keine Namen, nur Daten. Es wurde nach dem Tod ihres Schwagers in dessen Nachlass gefunden und dem Museum für jüdische Geschichte in Amsterdam übergeben, 2008 wurde es dann bei einer Recherche für eine niederländische Fernsehserie wiederentdeckt.

Bewertung

Ich finde es nicht angemessen hier irgendwelche Herzchen zu vergeben, es ist ein sehr gutes Buch, das Mitfühlen lässt. Man bekommt einen Einblick in das Leben einer dem Tod geweihten Frau, die einem als Leser alles mit durchleben lässt: Hoffnung, Angst, Verzweiflung und Wut. Es war Klaartjes Wunsch, dass dieses Buch veröffentlich wird und etwas verspätet hat sich dieser Wunsch erfüllt. Meiner Meinung nach sollte man es genauso wie das Tagebuch von Anne Frank lesen.

Info zum Buch

Mein geheimes Tagebuch von Klaartje de Zwarte-Walvisch

202 Seiten // Deutsch // Hardcover und E-Book

C.H. Beck Verlag // erschienen 2016

ISBN 978-3-406-68830-0

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