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Kolumne

Kolumne: Beste Freunde für immer – bis das Leben dazwischen kam!

Wir waren beste Freundinnen, wollten unsere Kinder zusammen aufziehen und gemeinsam auf dem Spielplatz abhängen. Wir hatten uns in der Schule schon die Zukunft ausgemalt – bis das Ende der Schulzeit dazwischen kam. Ich fing an in einer anderen Stadt zu studieren und sammelte dort neue Unibekanntschaften, sie fing an zu arbeiten. Wir lebten uns auseinander.

Es war einmal eine Freundschaft…

Wir haben viel miteinander erlebt: Erster Freund, erste Party, erstes Bier! Wir haben zusammen Abi gemacht und nie im Leben dran gedacht, dass wir uns je trennen würden. Man hat sich spontan getroffen und stundenlang einfach abgehangen, DVD geschaut und gekocht. Alles problemlos, heile Welt.
Mit dem Ende der Schulzeit und dem Anfang meiner Unizeit änderte sich mein Leben recht schnell, wie bei jedem anderen Menschen auch: Voller Stundenplan, Nebenjob und in der spärlichen Freizeit wird gelernt. Sie hat angefangen zu arbeiten, wie eigentlich der Rest unserer Mädelsgruppe. Ich war die Ausnahme. 
Man hat sich nicht mehr eben spontan getroffen, auch wenn man nur ein paar Straßen entfernt wohnt. Alles muss mindestens drei Wochen im Voraus geplant werden und im Kalender fixiert. Letztendlich gab es dann doch recht oft abenteuerlich begründete Absagen. 
Mein Leben drehte sich weiter, ich traf neue Leute, die mit mir auf einer Wellenlänge schwebten. Das Studium schweißt halt zusammen. Klausuren wollen geschrieben und Hausarbeiten vorbereitet werden. Dann noch schnell auf Praktikumssuche und den Nebenjob nicht vergessen. 
Egal – Die Unifreunde heitern einen auf, weil sie wissen wie scheiße das alles sein kann. Von ihr gab es nur ein Kopfschütteln und ein „Stell dich nicht so an, du arbeitest ja nicht!“, das war der erste Knacks. Auf einmal wird einem bewusst, dass man mit dieser Person nicht mehr auf einer Wellenlänge ist. Dann kommt persönliches Drama dazu, indem man vielleicht Rat braucht, denn man letztendlich kurz und knapp via WhatsApp bekommt, weil spontanes Treffen geht ja nicht.

Eine Freundschaft hält im Durchschnitt 7 Jahre

Der Soziologe Gerald Mollenhorst von der Uni Utrecht hat sich mit dem Phänomen Freundschaft ausgiebig beschäftigt, er fand heraus, dass nach etwa 7 Jahren eine Freundschaft in die Brüche geht. Die Personen, die er befragte, hatten nach 7 Jahren nicht mehr den gleichen Freundeskreis. Es kamen neue Bekanntschaften dazu und alte wurden aussortiert. Dabei blieb die Größe des Bekanntenkreises aber gleich. Das verflixte 7. Jahr schlägt also zu, ob man will oder nicht.

Ende einer Freundschaft = Neuanfang?

Manchmal frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich auch eine Ausbildung gemacht hätte. Hätten wir uns dann auch auseinander gelebt oder würden wir noch immer die gleichen Ziele teilen? Mittlerweile weiß ich, dass es gut war, auch wenn es wehtut. Denn das Ende einer Freundschaft ist auch immer irgendwie wie das Ende einer Beziehung: Man verliert eine Person, die man sehr gerne hat und der man vertraut hat. 
Letztendlich habe ich an der Uni neue Leute kennengelernt, die in der gleichen Situation waren und einen den nötigen Push verpassen konnten. Man wird durch die richtigen Freunde stärker und selbstbewusster. Durch die verschiedenen Lebensweisen bekommt man verschiedene Standpunkte und Sichtweisen auf Dinge mit. Man erweitert im wahrsten Sinne seinen Horizont, anstatt nur in der gleichen Stadt zu leben, arbeiten und mit den gleichen Leuten rumzuhängen. Man entwickelt sich weiter.

Mit diesem Post wollte ich zeigen, dass es normal ist, enge Freunde zu verlieren. Das wird auf Dauer so oder so bei Jedem passieren irgendwann im Leben passieren. Andere Lebensumstände, Neuer Job oder Umzug: Alles kann eine Freundschaft auflösen und das ist auch gut so, denn dadurch lernt man Neues dazu und entwickelt sich weiter.
Man kann auch versuchen Freundschaften zu retten – aber bei uns sind das nur leere Worthülsen und letztendlich trifft man sich doch nur zu Geburtstagen. Ich finde es immer noch recht schade, dass alles so gekommen ist, aber eine Freundschaft besteht aus zwischen zwei Menschen und wenn sich eine zurück zieht und einem nicht mehr den Halten geben will oder kann, muss man sich leider eingestehen, dass nicht immer alles heile Welt ist.
Habt ihr so ähnliche Erfahrungen gemacht?
Wie hat die Geschichte bei euch geendet?

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4 Comments

  • Reply Hanna

    Da hast du wirklich Recht! Ich möchte auch bald einen Artikel zu dem Thema Freundschaft verfassen. Dürfte ich dabei auch deinen Artikel bei mir im Blogpost verlinken?
    Liebe Grüße

    11/09/2016 at 20:26
  • Reply Sandy

    Hey!
    Das mit den Freundschaften ist wirklich eine komplexe Sache. Auch, wenn es ganz schön hart ist und man das Ende oft schwer akzeptieren kann (oder möchte), kann man es meist doch nicht aufhalten. Erst recht nicht, wenn man es alleine versucht und die andere Person nicht mitzieht.
    Ich hab auch so meine Erfahrung mit diesem verflixten 7. Jahr sammeln können.
    Aber je älter ich werde, desto mehr verstehe ich. Es ist okay, wenn von deiner alten "Clique", nur noch eine Handvoll übrig bleibt. Bekanntschaften macht man immer.
    Umso dankbarer bin ich über die Freunde, mit denen ich es über die 7 Jahre hinaus geschafft habe und auf die ich mich noch immer verlassen kann, man schafft alles, wenn man denn nur wirklich will.
    Mein Lieblingsmensch ist und bleibt meine "Sandkasten Freundin", die nun schon über 20 Jahre an meiner Seite weilt 🙂 Wenn man so kostbare Freundschaften hat, verkraftet man Verluste noch einfacher, auch wenn sie weh tun.

    Cheerio!
    Sandy von http://ownblack.net

    12/09/2016 at 11:14
  • Reply Tabea

    Toller Artikel! Und ich habe eine ganz ähnliche Situation. Meine beste Freundin aus der Schulzeit und ich haben nach dem Abi zwar beide studiert, aber etwas ganz unterschiedliches und führen auch zwei Leben in "unterschiedlichen Welten". Irgendwie versteht sie mich nicht mehr, ich habe keine Lust ihr die ganzen Details zu erzählen, weil sie es eh' nicht nachvollziehen kann und ihr geht es da sicherlich nicht anders als mir.
    Wobei sie probiert noch sehr stark an der Freundschaft festzuhalten, während ich Treffen, wenn ich mal Zuhause bin, mittlerweile eher als Pflicht ansehe. Aber einen harten Schnitt möchte ich auch ungern machen, weil ich sie nicht verletzen will.

    Viele Grüße
    Tabea
    http://bytabea.com/

    12/09/2016 at 11:14
  • Reply Maj- Britt

    Ein schöner Beitrag! Damit kann ich mich auch sehr gut identifizieren. Ich hatte auch eine beste Freundin seit der 6. Klasse. Wir haben alles zusammen gemacht, uns spontan getroffen, in den Urlaub gefahren.. Wir konnten über alles reden, haben die gleichen Hobbys geteilt und es war einfach die gleiche Wellenlänge wie mit sonst niemandem. Ich ging für die letzten zwei Jahre meiner Schulzeit nach Kanada, und als ich wiederkam, war alles wie immer. Wir hatten zwar nicht viel Kontakt, doch als ich wiederkam, hatte sich nichts geändert. Und ich dachte "Wow, was für eine Freundschaft!" Dann ging sie in eine andere Stadt zum Studieren, ich finge ebenfalls woanders eine Ausbildung und gleichzeitig ein Fernstudium an. Und irgendwie über die nächsten zwei Jahre verloren wir wieder ein wenig den Kontakt. Ich besuchte sie nochmal und wenn sie hier war, haben wir uns auch getroffen, aber es war anders. Wir entwickelten uns beide weiter, sie in eine ganz andere Richtung als ich. Obwohl ich das gemerkt habe, wollte ich nicht loslassen. Die letzten drei Wochen war ich mit ihr im Urlaub und obwohl es zu 15 % noch war wie früher, war es eben zu 85% anders. Weil wir einfach ganz andere Einstellungen haben. Ich dachte mit dem Urlaub kämen wir uns eventuell wieder näher, doch eigentlich hat es mir die Augen geöffnet, dass das nicht mehr funktioniert. Es ist echt traurig, weil ich mich daran erinnere wie oft ich daran gedacht habe, nie wieder jemanden zu finden, der so gut zu mir passt. Aber manchmal kommt das Leben tatsächlich einfach dazwischen. Dafür habe ich während meiner Ausbildung auch tolle Freunde kennengelernt, die nun viel besser zu mir passen. 🙂

    Lieben Dank für deinen schönen Beitrag und liebe Grüße,
    Maj-Britt

    http://www.dailymaybe.de

    12/09/2016 at 14:37
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